Freundeskreis Altenhilfe Freiburg
Freundeskreis Altenhilfe Freiburg

"Das ist eines der Dinge, von denen Sie nichts verstehen!"

Würfeln, kombinieren, rätseln - einfach gemeinsam Spaß haben. Mehr braucht es nicht. Freitagstreff mit Siglind Blum im Laubenhof

"Seit März 2008 darf ich jeden Freitag einer kleinen Gruppe von Senioren n der Tagespflege im Laubendhof den Nachmittag gestalten helfen. Ich rege sie zu Spielen an, die sie auf unterhaltsame Weise herausfordern und zugleich erheitern." 

 

So beginnt Siglind Bruhn, eine ehrenamtliche Helferin in der Tagespflege der Heiliggeistspitalstiftung in Freiburg, ihre Erzählung.

 

„Bei 1 ist alles weg“ und „Stadt, Land, Fluss, Tier, Pflanze, Beruf“ sind besonders beliebt. Aber auch Wortergänzungen: Wie viele Begriffe finden wir, die mit „Aus-“ beginnen? Meine ursprüngliche Sorge, dass es nicht zu schwierig werden darf, erwies sich bald als unbegründet.

 

Als ich vorschlug, nach Wörtern zu suchen, die mit „Ent-“ beginnen und mit „ung“ enden, fürchtete ich schon, zu weit gegangen zu sein; doch wie aus der Pistole geschossen schlug Frau M. (damals 99) vor: „Entmaterialisierung“.

 

Bei Fragen nach Ländern und Städten ist Herr S. nicht zu schlagen; er scheint die Karten der Welt in seinem Kopf zu haben und muss sie offenbar nur mit dem inneren Auge absuchen. Bei Tieren allerdings muss man mit ihm vorsichtig sein, denn sein Fantasiezoo enthält jede Menge Wesen, die es weder im Tiergarten noch in der Wildnis gibt, sondern eher in menschlicher Umgebung, wie z. B. Angsthase, Backfisch, Dreckspatz, Leseratte und Wasserratte, Klammeraffe und Maulaffe, Neidhammel, Pechvogel und Ratefuchs oder Lustmolch, Pleitegeier und Kredithai; auch Drahtesel und Muskelkater, Knallfrosch und Ohrwurm, Planierraupe und Zapfhahn finden sich unter seinen Vorschlägen.

 

Auch bei Berufen ist Herr S. sehr erfinderisch, besonders, wenn uns zu den letzten Buchstaben im Alphabet nicht viel einfallen will; da müssen dann auch Vagabund und Vatermörder, Weihnachtsmann, Wolkenkratzer und Zahnstocher als „berufene“ Vollzeitbeschäftigungen herhalten.

 

Unvergesslich sind mir schlagfertige Dialoge, in denen besonders die Damen brillieren. Im Anschluss an das gemeinsame Kaffeetrinken stemmte Frau P. – damals fast 100 Jahre alt und aus feinem Freiburger Geschlecht – jedesmal ihre Handballen auf die Tischkante und verkündete: “Ich helfe Ihnen beim Abräumen.” Genauso regelmäßig dankte ich ihr und bat sie,  sitzen zu bleiben. Die neu zur Gruppe hinzugekommene Frau B., etwas jünger und aus einer Gastwirtfamilie, hörte sich das zweimal an. Beim dritten Mal meinte sie, eingreifen zu müssen, und informierte ihre Tischnachbarin: “Wenn Sie unbedingt arbeiten wollen, können Sie bei uns in der Küche anfangen.” Ohne mit der Wimper zu zucken fragte Frau P. zurück: “Was zahlen Sie denn?” Frau B. war nicht um eine Antwort verlegen, sondern antwortete trocken: “Zahlen tun wir nichts, aber Sie können die Reste mit heimnehmen.”  

 

Doch auch mit mir gehen die Senioren zuweilen sehr direkt um und sorgen so für viel Heiterkeit. Frau D., über mehrere Jahre meine Spaziergangspartnerin am Beginn des Nachmittags, hatte bald herausgefunden, dass ich mich mit dem Freiburger Sportclub nicht auskenne, nie über die Liebschaften und Trennungen der Filmsternchen auf dem Laufenden bin und auch sonst wenig von dem weiß, was offenbar in den „Heftchen“ steht. Sehr respektvoll aber auch ehrlich sagte sie einmal zu mir: “In ihrem Beruf sind Sie ja sicher gut, aber sonst gibt es doch vieles, was Sie nicht wissen.”

 

Eine ungeplante Prüfung präsentierte mir dann eine Fernsehsendung, die ausgestrahlt wurde, als sich im Sommer 2011 in den USA die Kandidaten der Republikaner für die Vorwahl warmliefen. Ich mag die Republikaner nicht und hatte die Sendung nicht gesehen. Doch Frau D. hatte sie sich angeschaut und war danach ganz aufgebracht. “Was denkt sich so ein Moderator, uns einreden zu wollen, dass das die Kandidaten für die amerikanische Präsidentschaft sind! Das waren doch Komiker, die ihre Rollen spielten!” Ich konnte mir nicht verkneifen zu sagen: “Ich fürchte, das waren schon die echten Politiker.” Darauf entgegnete Frau D. leise und mit spürbarem Mitleid: “Das ist eines der Dinge, von denen Sie nichts verstehen.”

 

Meine Freunde fragen bei unseren Treffen oft ganz begierig: „Na, und was gibt es für neue Geschichten von deinem Seniorenkreis im Laubenhof?“ Dieser Kreis ist für mich eine große Bereicherung. Er rückt viele kleinliche Ärgernisse des Alltags ins richtige Licht und erinnert mich, was die existentiellen Fragen sind, denen wir uns alle stellen müssen. Er zeigt mir zutiefst berührende Gesten der stillen Anteilnahme der Senioren am Wohlergehen ihrer Mitmenschen. Und er gibt mir viel Gelegenheit zu herzlichem Lachen.   >Siglind Bruhn<

 

 

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