Fotoausstellung (Gesichter des Alters) im ZO in Freiburg. Foto: Stiftungsverwaltung
Fotoausstellung (Gesichter des Alters) im ZO in Freiburg. Foto: Stiftungsverwaltung
Freundeskreis Altenhilfe Freiburg
Freundeskreis Altenhilfe Freiburg

Auszüge aus der Würdigung der Ehrenamtlichen 2019 durch Stiftungsdirektorin Marianne Haardt

Sabine Winkler, 35, mit Sohn Janosch, noch keine zwei Jahre

Sabine Winkler kommt ursprünglich aus Oberschwaben. Nach der Schule machte sie erst eine Ausbildung zur Gärtnerin, begann aber unmittelbar danach 2008 in Freiburg eine Ausbildung zur Physiotherapeutin [...]

 

Als Physiotherapeutin besuchte sie auch Patienten in verschiedenen Pflegeheimen und erlebte dabei, wie sich die oft einsamen älteren Menschen über jeden Besuch und kurze Begegnungen freuten. [...] Auf dem Weg zum Spielplatz wählt Frau Winkler mit ihrem kleinen Sohn inzwischen gerne den Weg durch die Heinrich-Heine-Straße. Dort entdeckte sie auch das Schild des Freundeskreises, der Ehrenamtliche in der Altenhilfe sucht.

 

[...] Seitdem besuchen Mutter und Sohn ein- bis zweimal in der Woche für 1 bis 2 Stunden die Bewohner in den Aufenthaltsräumen von Haus Marga Sauter. Dabei gehen beide nach und nach über alle 3 Stockwerke. Die älteren Menschen freuen sich immer sehr, wenn Fr. Winkler mit ihrem kleinen Janosch kommt.

 

Sie erinnern sich an ihre eigenen Kinder oder Enkel und werden durch die Lebendigkeit eines Kindes von ihrem doch oft eintönigen Alltag abgelenkt. Inzwischen hat Sabine Winkler einen sehr guten Kontakt zu den Pflegekräften aufbauen können. Bevor sie mit Janosch in die Wohnbereiche geht, fragt sie beim Sozialdienst oder bei den Pflegern nach, ob es etwas Besonderes gibt, ob ihr Besuch recht ist oder ob es vielleicht für manche Bewohner an diesem Tag auch zu viel werden könnte.

 

Ein anschauliches Beispiel dafür, wie gewinnbringend ein regelmäßiger Besuchsdienst sein kann, zeigt die Situation auf einem Wohnbereich. Dort saß eine ältere Frau völlig für sich alleine in Ihrem Sessel und nahm überhaupt keinerlei Notiz von ihrem Umfeld und den anderen Bewohnern, zunächst auch nicht von Frau Winkler und ihrem Sohn. Aber nach einigen Besuchen und kleinen Annäherungsversuchen, konnte die Bewohnerin ihre Isolierung überwinden und allmählich wieder Kontakt mit ihrer Umgebung aufnehmen. Dazu hat auch die regelmäßige Begegnung mit dem kleinen Jungen gewiss beigetragen.

 

Inzwischen sind gute Beziehungen zwischen Sabine Winkler, ihrem Sohn und den Bewohnern entstanden. Sie erleben das Heranwachsen eines kleinen Kindes und freuen sich mit Frau Winkler auch schon auf Janoschs kleinen Bruder, der im März 2020 auf die Welt kommen soll.

 

Denn Frau Winkler will auch danach ihre Besuche im Haus Marga Sauter beibehalten. Und sie will auch andere junge Mütter dazu anzuregen, ebenfalls Besuchsdienste im einem Pflegeheim zu machen.

 

Wir können uns also jetzt schon auf fröhliches Kindergeplapper und leuchtende Augen freuen. Und ich freue mich, Ihnen Frau Winkler, als kleines Dankeschön für Ihr Engagement diese Urkunde und einen Blumenstrauß überreichen zu dürfen."

 

 

Frank Dörflinger, 73 [...] hat viele Höhen und Tiefen durchlebt, aber er hat sich eine unbändige Neugier aufs Leben und auf aktuelle Entwicklungen bewahrt. Den Pilotenschein hat er zwar abgegeben, aber er kann noch begeistert von seinen Flügen in der kleinen Cessna über den Aletschgletscher, nach Verona oder Bordeaux berichten. Oder von seinen Klettertouren mit dem Alpenverein. [...]

 

„Die maschinelle Verarbeitung der Semantik der natürlichen Sprache“ war Mitte der 70-er Jahre sein Dissertationsthema und noch heute verfolgt er mit größter Neugier jede Entwicklung von Sprachrobotern oder digitalen Übersetzungstools – obwohl er sich in fast 20 Sprachen auskennt

 

Ein solch breites Portfolio ist natürlich eine fast überbordende Quelle für interessante Gespräche mit alten Menschen, die sonst immer weniger Kontakt mit der Gesellschaft haben, in der wir alle leben.

 

1946 in Metzingen geboren, hat der Sohn eines Fabrikanten die Nachkriegszeit in bitterer Armut und sehr beengten Verhältnissen erlebt. Die Fabrik seines Vaters war als Reparationszahlung demontiert, das Elternhaus requiriert worden. "Dieses enge Zusammenrücken-Müssen hat mich vielleicht geprägt“, sagt er heute.

 

Nach dem Abitur schaffte ein Mathematik-Studium in Stuttgart, ging 1974 mit seinem Professor  zum Europäischen Forschungszentrum (Euratom) nach Ispra am Lago Maggiore und begeisterte sich für den europäischen Gedanken. [...] 1976 kam er als IT-Ingenieur zu Siemens nach München, wo er fast 20 Jahre lang Software für Sprachanwendungen und Datenbanksysteme entwickelte.

 

Als er 1998 nach Freiburg kam, um sich hier – wie er sagt – „ein neues Leben aufzubauen“, engagierte sich ehrenamtlich zunächst im Heinrich-Hansjakob-Haus der Caritas in einer Vorlesegruppe und im Diözesanverein für Soziale Dienste SKM, wo er auch heute noch ehrenamtlich aktiv ist. [...] 

 

Seit gut drei Jahren ist Frank Dörflinger nun ehrenamtlich im „Besuchsdienst“ im Jonannisheim engagiert. Das heißt: Er besucht regelmäßig, in dem Fall wöchentlich, einen Bewohner. (Davor besuchte er eine Dame, die 92-jährig inzwischen jedoch verstorben ist.)

Daneben begleitet er bei Bedarf auch Bewohner zu Arztbesuchen und engagiert sich beim jährlichen Ausflug des Johannisheims. Seine ehrenamtliche Tätigkeit im Johannisheim und der Austausch im Freundeskreis Altenhilfe bereitet ihm offenkundig sehr viel Freude.

 

„Die Kontakte zu den Bewohnern und deren Freude zu sehen sowie das Gefühl des Gebrauchtseins, das ist für mich eine intensive persönliche Bereicherung“ sagt Frank Dörflinger.

 

[...] Seine Vielseitigkeit, sagt er, verstärkt die Wahrnehmung und füllt die Zeit.

 

Und er füllt die Zeit und die Wahrnehmung von so vielen Menschen, beglückt sie mit seinen Geschichten, hört ihnen zu, begleitet sie, sorgt für Abwechslung. Und dafür möchten wir heute Danke sagen".

 

Beide Ehrenamtliche bekamen als Zeichen der Würdigung eine Urkunde und einen Blumenstrauß, Janosch einen kleinen Stoffelefanten als Dankeschön-Geschenk.

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